von Rainer Werner Fassbinder
Premiere: 12. März 2011 am Staatstheater Stuttgart
Petra von Kant hat es geschafft: Sie ist autark, hat Erfolg, ihre Modekollektionen florieren. Nur ihre Ehe scheiterte, weil der Mann keine finanziell überlegene Ehefrau an seiner Seite vertrug. Über eine Freundin lernt sie die jüngere Karin kennen, verliebt sich in sie, will ein Mannequin aus ihr machen. Doch Karin ist bequem und lässt sich umwerben. Bald übt sie mit ihrer unbestimmten Trägheit Macht über Petra aus. Instinktsicher wie stets bei diesem Thema zeigt Fassbinder den stärker liebenden Part als den unterlegenen. Wer liebt, leidet, ist die bittere Lektion für die einst unabhängige Geschäftsfrau Petra von Kant. Doch auch in ihrem Schatten leidet eine Liebende … Wohl hat sich die Stellung der Frau in der Gesellschaft seit Fassbinders Bühnenstück und Film von 1972 geändert, aber Fassbinder geht es nicht primär um Frauen oder Männer, sondern um die Frage, wie man lieben kann, ohne Besitz vom andern zu ergreifen, wie Selbstverwirklichung und Liebesbedürfnis vereinbar sind.
Petra von Kant: Marietta Meguid
Valerie von Kant: Gabriele Hintermaier
Gabriele von Kant: Hanna Franck
Sidonie von Grasenabb: Anne Cathrin Buhtz
Karin: Sarah Sophia Meyer
Marlene: Silja Bächli
Regie: Laura TetzlaffBühne und Kostüme: Gwendolyn Bahr Musik: Murat Parlak Dramaturgie: Kekke Schmidt
"Diese Inszenierung sollte man nicht verpassen. [...] Eine in jeder Hinsicht durchkomponierte, bis ins Detail liebevoll umgesetzte Produktion, an der einfach alles zu loben ist: die Darstellerinnen, die Regie, der Ausstatter und der Einsatz von Musik. [...] Eine perfekte Studie über die darstellerische Gefühlspalette unglücklicher Liebe, in rasant wechselnden Tonfällen dargeboten. [...] Regisseurin Laura Tetzlaff nutzt den leeren Raum für die Inszenierung von Nähe und Distanz. Selbst oberflächliche Berührungen wirken stark. Räumliche Entfernung steht für das innere Verhältnis zueinander, für emotionale Kälte und Einsamkeit.[...] Getaktet ist der kurzweilige Abend durch subtile, pointierte Komik." (Cannstatter Zeitung)
"Laura Tetzlaff ist eine Inszenierung gelungen, die scheinbar mühelos die Akzente, die den zeitlosen Wert dieses Stückes ausmachen, herausarbeitet. [...] Eine mehr als gelungene Arbeit, die sich von den Vorlagen emanzipiert hat." (Ludwigsburger Kreiszeitung)
"Mit ihrer kurzweilig-konzentrierten Inszenierung im "Nord" gelingt es Laura Tetzlaff dem bisweilen melodramatischen Stück eine teils fein gesponnene, teils grotesk überdrehte Komik abzugewinnen, ohne die Grundthematik zu verraten: das Kalkül der Macht, das hinter den Ritualen der Intimität lauert. [...] Gerade an dem Punkt, wo das Pathos überhandzunehmen droht, streut Tetzlaff der Psychomechanik des Liebesleids den Sand der Karikatur ins Getriebe." (Stuttgarter Zeitung)